13.6.20`: Brennende Mesozyklone Bad Saulgau

Am Samstag den 13. ging es zunächst nach Reutlingen, um eine uns entgegenfahrende Freundin abzuholen. Unser Hauptziel war dann die Bodensee Region, wo ich die ein oder andere vorlaufende Superzelle berechnet hatte. Wie so oft zeigte uns die Natur, dass sie geheimnisvoll bleibt, und ließ die vorlaufenden Gewitter komplett ausfallen in der Mittagssonne. Bei Ehringen standen wir und beobachteten das Ganze. Special Gast dabei: Meine Freundin! Sie mutiert immer mehr zur Chaserin! In der Schweiz entwickelte sich langsam das System / der Cluster, der am Abend ebenfalls in die Region ziehen sollte, doch wirklich berauschend waren die Echos im Radar nicht. Als die Alpen von unserem Standpunkt immer besser zum Vorschein kamen, war klar, dass ein starker Föhn vorherrscht, der das ganze Unterfangen gefährdet. In Anbetracht der Gefahr von bis zu 5cm Hagel und 50lm² Wasser in kurzer Zeit in der Weinregion des Bodensees nicht schlimm ;) Wir fuhren, um unsere Chance auf mögliche Gewitter im Norden zu maximieren, 300km im Viereck durch Baden-Württemberg. Mittlerweile war dann auch 20 Uhr, und der schwach organisierte Cluster aus der Schweiz erreichte den Bodensee. So fuhren wir auf den Witthoh (862m) bei Tuttlingen mit Blick nach Süd. Wenige Minuten später erreichte mich die Mail eines Team-Kollegen östlich des Sees, in der er eine sehr gut strukturierte Zelle auf Bild zeigte. Wir machten uns sofort auf den Weg in die Richtung. Wir hatten gute Chancen, dieses Gerät abzufangen, da es nur mit 16kmh voran zog. In höhe Bad Saulgau schälte sich eine Neuentwicklung aus der östlichen Zugbahn nach Norden hoch, und wir entschieden, bereits diese zu nehmen. Diese Zelle war sehr schön anzusehen, jedoch verlor sie alsbald Ihre Struktur, da es in den Aufwind hinein regnete. Ich stellte die Theorie auf, dass östlich dieser Zelle eine stärkere Zelle sein müsse, die hier unsere "erdrückte". Das Radar funktionierte nicht aufgrund schlechten Empfanges! 20km weiter auf einer Landstraße nahe Bad Saulgau bemerkten wir dann ein "brennendes Mutterschiff", uns fielen fast die Augen heraus, so ideal strahlte die Sonne den Aufwindbereich dieses Gewitters an. Wir hielten bereits bei erster Gelegenheit an, da vor uns viel Wald lag. 45 Minuten bis nach Ulm - los ging`s - denn unsere Zelle kam zu nah, und wir wollten wieder davor. Es wurde bereits dunkel, und unsere Zelle inaktiv. Aber östlicher ging die Post ab, und zwar mit Blitzen. Bei Ulm positionierten wir uns ein letztes mal, um die abziehenden Zellen zu beobachten, und um Blitze zu ergaunern.

 

Letztlich verhinderte über den Tag ein zu starker Föhn von den Alpen her die Entwicklung von ausreichend Energie in der Zielregion. Dies war ersichtlich auf der Taupunkte Karte. Etwa ab Lindau nordöstlich hingegen standen 17er Taupunkte den trockenen ~10er Taupunkten gegenüber. Dazu wehte ein steif kühler Nordwestwind am Abend in die Aufwinde hinein, zumindest in die nordwestlichen Zellen, weshalb diese eingingen. Im Prinzip war dies eine "Pseudo Dryline", die feuchtwarme Luftmassen im Südosten von trocken-warmen Luftmassen im Südwesten trennte. Ohne den Nordwestwind und einige Stunden früher am Tage, hätte es die Weinberge um den Bodensee böse erwischen können! Alle Zellen die wir angefahren haben, sahen aus wie Superzellen, aber auf Radar und die Kriterien was Lebensdauer sowie Hagel Größe und fortbestehende Mesozyklone (rotierende Aufwinde) angeht, muss ich sagen, waren es KEINE. Allenfalls auf dem Weg zu diesem Stadium.

 

Alles in allem aber ein tolles Chasing mit insgesamt 2 Gästen :)

Humor, Leidenschaft und Ehrenamt unter einem Hut heißt bei uns Stormchasing.

 

 

 

 


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